[Update] Telekom: IPTV-Test ab Mai - HDD-Receiver mit HDMI
Erstellt von Redaktion am Freitag 28. April 2006
Die Deutsche Telekom testet ihr für August geplantes IPTV-Angebot (SAT+KABEL berichtete) bereits im Mai in ingesamt zehn deutschen Großstädten, darunter Hamburg, Stuttgart und München.
“Einige hundert Kunden” könnten die DSL-Kanäle dann zunächst kostenlos testen, teilte der Telekommunikationskonzern am Donnerstag mit. Mit de, Test solle zunächst die Integration der einzelnen Komponenten wie Hardware, Software und Netzsteuerung überprüft und Kundenerfahrungen ausgewertet werden, hieß es. Ab Anfang Juni sollen weitere Teilnehmer hinzu kommen.
Das inhaltliche und technische Pilotangebot sieht für die Kunden neben dem Empfang von bis zu 15 linearen TV-Sendern wie z.B. Sat.1, Kabel1, ProSieben auch TV-Inhalte auf Abruf (Video-on-Demand) sowie rund 50 Filme aus einer digitalen Videothek vor. Über etwaige Einschränkungen z.B. bei der Archivierung auf DVD oder der Nutzungsdauer machte die Telekom keine Angaben. Der zum Marktstart erhältliche Media-Receiver T-Home X 300T der Cisco-Tochter Linksys verfügt unter anderem über eine HDMI-Schnittstelle. Mit der 80-Gigabyte großen Festplatte können bis zu 70 Programmstunden aufgenommen werden. In der Pilotphase ab Juni können die Kunden auch Features wie Time-Shifting nutzen.
“In Deutschland wird unser Angebot zwischen zwei und vier Wochen vor dem Start der Bundesliga am 15. August im Markt verfügbar sein”, sagte T-Online-Chef Rainer Beaujean zuvor dem “Handelsblatt” (Donnerstag). Nur mit VDSL-Technologie könne eine “überzeugende Qualität für Internet-TV” sichergestellt werden, erklärte Beaujean.
In technologischer Hinsicht ist diese Aussage falsch: MPEG4-komprimierte PAL-Signale lassen sich in bisher gewohnter TV-Qualität über reguläre DSL-Verbindungen ab 6 MBit/s übertragen. Hintergrund der Aussage scheint vielmehr eine Regelung mit der Bundesregierung, wonach das VDSL-Netz vor der Nutzung durch Wettbewerber geschützt werden kann, wenn “innovative Dienste” nur darüber übertragen werden können. Die Europäische Kommission droht dagegen mit einer Regulierung. Die Bundesnetzagentur führt derzeit dazu eine Anhörung durch, die sich nach Einschätzung des Branchenverbands VATM bis ins kommende Jahr ziehen könnte. Für den Netzaufbau investiert die Telekom drei Milliarden Euro.
Potentielle IPTV-Kunden der Telekom müssen künftig zwei Verträge abschließen: Einen für den VDSL-Anschluss der T-Com und einen für T-Online. Mit der geplanten Fusion mit der Telekom sei dies künftig aber hinfällig, hieß es.
“Wir haben mit allen publikumswirksamen Sendern Verträge geschlossen oder sind in fortgeschrittenen Verhandlungen”, sagte der T-Online-Chef dem “Handelsblatt”. Das gelte sowohl für die Öffentlich-rechtlichen als auch für die Bertelsmann-Tochter RTL. Mit ProSiebenSat.1 einigte sich T-Online bereits im März.
Zum Endkundenpreis für das Gesamtpaket wollte sich Beaujean noch nicht äußern. Branchenkenner rechnen bei einem kombinierten Triple-Play-Angebot, also Internet-Zugang, Telefonie-Flatrate und TV mit Kosten von rund 40 Euro im Monat. Zeitgleich soll auch ein internationales Triple-Play-Angebot unter anderem in Spanien und Frankreich eingeführt werden.
Als Zugpferd für den neuen Dienst soll die Fußball-Bundesliga dienen, für die die Telekom Internetrechte erworben hat. Allerdings ist momentan offen, wie das Unternehmen diese nutzen darf. Die Fernsehrechte liegen bei Arena, die sich gegen die TV-Übertragung von Bundesligaspielen durch die Telekom sträubt. Die Deutsche Fußball- Liga DFL droht, der Telekom die Lizenz zu entziehen (SAT+KABEL berichtete). Beaujean ist allerdings zuversichtlich, dass der Streit rechtzeitig beigelegt wird: “Fußball ist ein attraktives Thema, ich hoffe, dass die Verhandlungen der Deutschen Telekom als Rechteinhaber mit der DFL positiv verlaufen.”
[Quelle: Sat+Kabel]